Komische Zahlen – Hilfsgüter für Haiti

Es wird ja alles irgendwie in Zahlen ausgedrückt um Größenordnungen zu beschreiben bzw. um die Dramaturgie ein Ereignisses zu stützen. Überall im Leben begegnen uns Zahlen.

Mir fällt schon seit längerem auf, dass oft Zahlen genannt werden, die anscheinend aber weiter nicht relativiert werden. Es handelt sich dabei in der Regel um große Zahlen, weil die eben besonders viel Drama erzeugen. Rechne ich aber nach, bleibt bei mir oft nur ein Kopfschütteln.

Heute war wieder so ein Fall. In einer TV-Reportage ging es um Hilfsgüter für die Erdbebenopfer in Haiti, insbesondere um die Versorgung der Kinder. Vorgestellt wurde ein Mann, der sich besonders um die Kinder unter den Opfern kümmert. Gezeigt wurde er beim Besuch einer Schule, wo er freudig empfangen wurde. Dabei berichtete er, dass viele der Kinder unterernährt seien und deshalb besonders kalorienreiche “Spezielnahrung” bräuchten. Dabei wurden Kinder gezeigt, die aus Capri-Sonne ähnlichen Behältern irgendwelche Flüssigkeiten saugten. Ein großes Desaster sei, das Haitianische Behörden die Einfuhr der Hilfsgüter behindern. Aktuell warte er auf eine Sendung von 5 Tonnen dieser”Spezialnahrung”. Auf die Frage der Reporterin welchen Wert diese Lieferung hätte, antwortete er: “40.000 Euros”. Weiter wurden die Zahlen nicht kommentiert.

OK. 5 Tonnen also 5000 kg für 40000€, macht 8€ pro Kilo. Ich frage mich, was für eine kalorienreiche “Spezialnahrung” das sein soll, die pro Kilo 8€ kostet, zudem noch in so großen Mengen. Und nach welchem Maßstab richtet sich der angegebe Wert?

Kalorien heißt in erster Linie Fett und Zucker. 1 Liter Sonnenblumenöl oder 1 Kilo Zucker kosten etwa 1 Euro. Vielleicht sogar noch weniger. Und das mitten im teuren Deutschland für den Endverbraucher. Wieso steigt der Preis, wenn es sich um Hilfsgüter handelt, plötzlich um mehr als das 8-fache? Oder was ist in der “Spezialnahrung” drin?

Ich verstehe es nicht. Komische Zahlen!

(ix)

Kurzlink: http://goo.gl/HYj27

4 Gedanken zu “Komische Zahlen – Hilfsgüter für Haiti

  1. Naja, vermutlich sind da auch noch die Kosten für Transport und anderen organisatorischen Aufwand eingerechnet, schätze ich. Außerdem halte ich es für unwahrscheinlich, dass die wirklich ein Gemisch Sonnenblumenöl und Zucker trinken, sondern schon irgendwelche Spezialnahrung bekommen, deren Produktion möglicherweise doch etwas teurer ist.

    Ob man so auf die 8€ kommt weiß ich nicht, aber bestimmt gibt es noch einige Faktoren, die einfach nicht mit einberechnet sind.

    Sonst wäre das wirklich sehr merkwürdig.

  2. Die Situation war eine Unterhaltung.
    Er: Wir warten zur Zeit auf eine Lieferung von 5 Tonnen.
    Sie: Im Wert von?
    Er: 40000 Euros.

    Ich hatte den Eindruck, dass es sich um den reinen Wert der Ladung handelt. Davon abgesehen steigert der Wert durch Transport kaum um das 8-fache. Sonnenblumenöl und Zucker waren als Beispiel genannt, um darzustellen was hochkalorisch ist. 1 Liter O-Saft kostet auch weniger als 1€ und hat alleine schon ca. 500 Kalorien.

    Ich gehe davon aus das es sich bei den Hilfsgütern um irgendwelche um Kalorien angereicherte Grundnahrungsmittel handelt. Und mir ist unverständlich was daran 8€/kg kosten soll?
    Ein Hartz4 Empfänger bekommt in DE knappe 10€ pro Tag, wovon nur ein Teil für Lebensmittel gedacht ist. In DE ist Fettleibigkeit bei sozial Schwachen überproportional verbreitet, und die essen keine kalorienreiche “Spezialnahrung”.

  3. Wobei noch zu beachten wäre, dass die Transportkosten eben eigentlich Günstiger oder gleichbleibend sein sollten. Denn gerade die hier verkauften Lebensmittel für sehr wenig Geld kommen meistens nicht aus Deutschland, sondern aus südlichen Ländern, teilweise aus ferner Übersee. Und gerade “Spezialnahrung” kenne ich von Firmen, die ihr Gesöff irgendwo in Bangkok mischen und in lustige bunte Flaschen füllen.

    Für mich stellt sich vor allem die Frage, ob das sinnvoll ist. Für die erste Hilfe nach einer solchen Katastrophe ist es natürlich nützlich, sofort Nahrung vor Ort zu haben. Aber wenn dann Monate und Jahre danach immernoch der große Nahrungsbedarf über Anhängigkeiten aus dem Ausland gedeckt wird, fördert man damit ein Land nicht kaputt? Wäre es nicht sinnvoller, die Agrarwirtschaft zeitnah wieder in Schwung zu bekommen, sodass die Menschen ihre eigene Nahrung produzieren können?
    Womit soll die Armut bekämpft werden, wenn niemand etwas zu tun hat, weil alles per Hilfskonvoi aus aller Herren Länder kommt?

    Sicher, man wird eine Zeit damit beschäftigt sein, Häuser wieder aufzubauen und die Infrastruktur wieder in den Gang zu bekommen. Aber Haiti ist ja nicht der einzige Ort, an dem solche Katastrophen stattfanden, teilweise wird noch Jahre später der Bedarf an Nahrung großteilig aus dem Ausland per Hilfskonvoi gedeckt. Ich glaube in vielen Fällen braucht man keine Rohstoffe, sondern die Möglichkeit, sie wieder selbst zu produzieren.

  4. Haiti war ja auch vor der Katastrophe eins der ärmsten Länder der Welt. Warum das so ist, ist ja nochmal ein ganz anderes Problem. Die Ursachen dafür sind wahrscheinlich auch bei den reichen Ländern zu suchen.
    Beispiel:
    Das Jakobs Krönung in DE unter 4€ kosten muss, ist ja mit die Ursache für die Armut der Kaffeebauern in Südamerika.

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